Von der friedfertigen Antisemitin zur queer-theoretischen Post-Zionistin. Vortrag und Diskussion mit Ljiljana Radonić
- am: Mittwoch, 28. Oktober 2015 - 18:00 Uhrbis: Mittwoch, 28. Oktober 2015 - 18:00 Uhr
- Hörsaal G Hörsaalgebäude der Universität zu Köln
Jahrzehntelang hat die „neue Frauenbewegung“ ein positives Bild von „der Frau“ im NS gezeichnet, was nicht selten zu einer den Holocaust verharmlosenden Argumentation führt(e). Entgegen der Tatsache, dass Frauen als KZ-Aufseherinnen, Fürsorgerinnen oder Denunziantinnen an der antisemitischen Ausgrenzung und Vernichtung von Jüdinnen und Juden begeistert mitwirkten, werden sie in feministischen Schriften oft auch als auf die Mutterrolle reduzierte „Gebärmaschinen“ dargestellt – ein feministischer Fall von Täter(innen)-Opfer-Umkehr. Handelt es sich um einen spezifisch feministischen Antisemitismus, wenn Matriarchatsforscherinnen dem Judentum und seinem historischen „Ausmordungsprogramm“ die Schuld an der Zerstörung des Matriarchats geben und es als besonders patriarchale Religion imaginieren? Der Bogen reicht bis Judit Butler, die nicht mehr vom „alten Israel“ spricht, sondern alles Schlechte im heutigen, rassistischen, vom Siedlerkolonialismus und Reinheitsvorstellungen geprägten, auf Vertreibung basierenden, illegitimen Staat Israel verortet, der aufgrund anhaltender „Deportationen“ und des „konzentrierenden Kolonialismus“ ebenfalls selbst schuld an der ihm drohenden Zerstörung sei.
Ljiljana Radonić ist Lehrbeauftragte am Institut für Politikwissenschaft der Universität Wien und forscht über den Zweiten Weltkrieg in post-sozialistischen Gedenkmuseen an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. 2004 erschien „Die friedfertige Antisemitin? Kritische Theorie über Geschlechterverhältnis und Antisemitismus“ im Peter Lang Verlag.
Ljiljana Radonić ist Lehrbeauftragte am Institut für Politikwissenschaft der Universität Wien und forscht über den Zweiten Weltkrieg in post-sozialistischen Gedenkmuseen an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. 2004 erschien „Die friedfertige Antisemitin? Kritische Theorie über Geschlechterverhältnis und Antisemitismus“ im Peter Lang Verlag.