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"Beschreibungsversuche der Judenfeindschaft vor 1944" - Vortrag und Diskussion mit Olaf Kistenmacher

Es ist üblich, die Antisemitismustheorie 1944 mit der Dialektik der Aufklärung von Max Horkheimer und Theodor W. Adorno sowie Jean-Paul Sartres Überlegungen zur jüdischen Frage beginnen zu lassen, zwei Texten, die die Ursachen für Judenfeindschaft ausschließlich bei den Antisemiten sehen. Schon 1894 schrieb jedoch Hermann Bahr: „Wenn es keine Juden gäbe, müßten die Antisemiten sie erfinden.“ Die Auseinandersetzung mit den Ursachen der Judenfeindschaft geht auf die rechtliche Gleichstellung im ausgehenden 18. Jahrhundert zurück. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich daraus eine wissenschaftliche Beschäftigung, die parallel mit der Entstehung einer Wissenschaft vom Judentum entstand. Die deutlichste Kritik formulierten meist die Betroffenen; und so gehört zu den Leitfragen des Sammelbands Beschreibungsversuche der Judenfeindschaft, inwieweit innerhalb der Kontroversen über den Judenhass und seine Ursachen auch über Formen und Bedeutung jüdischer Zugehörigkeit diskutiert wurde.

Olaf Kistenmacher (Hamburg) und Hans-Joachim Hahn (Freiburg). Gemeinsam gaben sie kürzlich den Sammelband Beschreibungsversuche der Judenfeindschaft – Zur Geschichte der Antisemitismusforschung vor 1944“ heraus.